Datensouveränität entscheidet über die Wahl der Cloud-Infrastruktur featured image

Datensouveränität bedeutet, dass Daten den gesetzlichen Regelungen des Landes unterliegen, in dem sie gespeichert werden. Immer mehr IT-Entscheider erkennen darin eine strategische Schlüsselkomponente. Insbesondere mit Blick auf die Einhaltung datenschutzrechtlicher Vorgaben erwägt ein zunehmender Teil von ihnen, Workloads aus der Public Cloud wieder in kontrollierbare, souveräne Infrastrukturen zurückzuführen.

In diesem Blog beleuchten wir die aktuellen Entwicklungen in der Datenschutzgesetzgebung, ihre Auswirkungen auf das Cloud-Hosting und wie Unternehmen eine souveräne Datenstrategie technisch umsetzen können.

Regulatorische Entwicklungen und ihre Auswirkungen

DSGVO: Gerichtsurteile verschärfen die Anforderungen

Obwohl die DSGVO bereits 2018 in Kraft trat, haben mehrere Gerichtsurteile der letzten Jahre ihre Relevanz noch einmal eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Besonders deutlich wurde das in einem wegweisenden Fall: Die irische Datenschutzbehörde verhängte eine Rekordstrafe von 1,2 Milliarden Euro gegen Meta – wegen der Übermittlung personenbezogener Daten europäischer Nutzer in die USA, ohne ausreichende Schutzmaßnahmen. Dieses Urteil ist mehr als nur ein Einzelfall – es ist ein klares Signal an alle Unternehmen, was bei DSGVO-Verstößen auf dem Spiel steht.

AI Act: Künstliche Intelligenz und Datensouveränität

Mit dem schnellen Fortschritt der künstlichen Intelligenz (KI) rücken Themen wie Datenschutz, Datensicherheit und verantwortungsvoller Umgang mit Technologie stärker in den Fokus. Die Europäische Union hat mit dem AI Act darauf reagiert – dem weltweit ersten umfassenden Gesetz zur Regulierung von KI-Systemen. Der AI Act setzt klare Regeln: Er verlangt Transparenz, hohe Datenqualität und ein durchdachtes Risikomanagement. Besonders im Blick: ein verantwortungsbewusster Umgang mit Daten – vor allem in Cloud-Umgebungen, in denen viele KI-Anwendungen betrieben werden.

Für Unternehmen in Deutschland wird der AI Act überall dort relevant, wo KI-Systeme in der EU entwickelt, angeboten oder genutzt werden. Künftig könnten nationale Behörden wie die Bundesnetzagentur oder das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) wichtige Aufgaben bei der Umsetzung und Kontrolle der neuen Vorschriften übernehmen.

Schrems II: Neue Regelwerke für mehr Rechtssicherheit

Das Schrems-II-Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) aus dem Jahr 2020 stellte einen Wendepunkt im transatlantischen Datenschutz dar: Der EuGH erklärte das EU-US Privacy Shield für ungültig, da US-Gesetze keinen ausreichenden Schutz im Sinne der DSGVO boten. Als Reaktion wurde 2023 das EU-US Data Privacy Framework eingeführt. Zusätzlich veröffentlichte die EU überarbeitete Standardvertragsklauseln, um die Rechtssicherheit bei internationalen Datenübertragungen zu erhöhen.

Wichtige Aspekte der Datensouveränität im Cloud-Hosting

Public Clouds (AWS, Azure, GCP): leicht Skalierbar, aber mit Compliance-Risiken

Anbieter wie AWS, Microsoft Azure oder Google Cloud sind häufig intransparent, wenn es um den physischen Speicherort von Daten geht. Daten werden oft automatisch über Rechenzentren hinweg repliziert – auch in Drittstaaten außerhalb der EU.

Gerade bei sensiblen oder personenbezogenen Daten kann dies zu erheblichen Problemen führen, da solche grenzüberschreitenden Transfers nicht immer den Anforderungen europäischer Datenschutzbehörden entsprechen. Für Unternehmen mit strengen Compliance-Vorgaben stellt dies ein erhebliches Risiko dar.

Lock-in vermeiden

Je mehr Daten in einer Plattform gespeichert werden, desto schwieriger wird eine Migration – technisch wie vertraglich. Kosten für Datenabzug (Egress Fees), proprietäre APIs und fehlende Interoperabilität erhöhen die Abhängigkeit vom Anbieter. Das erschwert die Umsetzung einer souveränen Datenstrategie erheblich.

Juristische Risiken bei unklarer Datenlokation

Unklare Speicherorte oder automatische Datenübertragungen zwischen Rechtsräumen bergen rechtliche Risiken. Unternehmen könnten unbeabsichtigt gegen europäisches Datenschutzrecht oder spezifische Branchenvorgaben verstoßen, ohne dies nachvollziehen zu können.

Branchenspezifische Vorgaben

In regulierten Branchen wie dem Gesundheitswesen, dem Finanzsektor oder der öffentlichen Verwaltung gelten oft zusätzliche Anforderungen an Datenhaltung und -übertragung. In Deutschland sind z. B. die Datenschutzanforderungen der Telematikinfrastruktur für Anbieter im Gesundheitswesen verbindlich. Auch Versicherungsunternehmen unterliegen den BaFin-Vorgaben zur Auslagerung von IT-Dienstleistungen.

So integrieren Sie Datensouveränität in Ihre Wahl der IT-Infrakstruktur

Datenhosting innerhalb der EU

Wählen Sie Anbieter mit Hosting- und Verarbeitungsstandorten in der EU. Idealerweise sollte der Anbieter garantieren, dass keine Daten ohne Zustimmung außerhalb der EU verarbeitet werden. Diese Transparenz ermöglicht es, selbst strengste regulatorische Anforderungen zu erfüllen.

Zusammenarbeit mit einem MSP

Ein erfahrener Managed Service Provider (MSP) kann helfen, Cloud-Infrastrukturen datenschutzkonform zu planen und zu betreiben. Ein solcher Partner beobachtet regulatorische Entwicklungen und passt Ihre Infrastruktur laufend an neue Anforderungen an.

Regionale Trennung mit klarer juristischer Verantwortlichkeit

Anbieter mit rechtlich getrennten Tochtergesellschaften in verschiedenen Regionen können die Vorteile globaler Infrastruktur mit lokaler Rechtssicherheit verbinden. Eine eigenständige deutsche oder EU-basierte Einheit erleichtert Auditierungen und reduziert das Risiko juristischer Grauzonen.

Einsatz souveräner Cloud-Architekturen

Spezialisierte Sovereign-Cloud-Angebote – wie das VMware Sovereign Cloud Framework – stellen sicher, dass Daten unter voller Kontrolle und innerhalb definierter Rechtsräume bleiben. Dabei spielen physische Trennung, Zugriffskontrollen und verschlüsselte Datenflüsse eine zentrale Rolle.

Cloud-Exit als strategische Maßnahme

Immer mehr europäische Unternehmen ziehen Daten und Workloads aus der Public Cloud zurück („Cloud Exit“ oder „Cloud Repatriation“) und migrieren in private oder hybride Cloud-Modelle. In VMware’s Private Cloud Outlook 2025 gaben 69 % der befragten Unternehmen an, Repatriierung in Erwägung zu ziehen – vor allem aufgrund von Sicherheits- und Compliance-Bedenken.

Die vollständige oder teilweise Verlagerung Ihrer Infrastruktur aus der Public Cloud in eine sichere Lösung wie eine Private Cloud oder eine Virtual Private Cloud ist eine effektive Möglichkeit, die Kontrolle über Ihre Daten zurückzugewinnen und die Anforderungen an die Datenhoheit zu erfüllen.

Unser Ansatz für datensouveränes Cloud-Hosting

Wir unterstützen unsere Kunden in der EU seit vielen Jahren bei der Umsetzung datensouveräner Strategien. Mit über 35 Rechenzentrumsstandorten weltweit – darunter auch dedizierte Infrastruktur in Deutschland und der EU – bieten wir maßgeschneiderte Lösungen für Compliance und Datensicherheit.

Unsere Private-Cloud- und Virtual-Private-Cloud-Angebote bieten physische und logische Isolation, volle Datenkontrolle und umfassende Transparenz. Unsere regionalen Einheiten – etwa in Deutschland – agieren rechtlich unabhängig und garantieren damit maximale Rechtssicherheit.

Als zertifizierter VMware Sovereign Cloud Provider erfüllen wir strenge Anforderungen an Datensouveränität, Governance und Sicherheit.

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